Bei der Einführung eines neuen Produktes gilt es eine Menge zu beachten. Neben Funktionalität und Design spielt vor allem die Produkt Compliance eine wichtige Rolle. Hier geht es um die Konformität mit sämtlichen rechtlichen Vorgaben – sowohl denen des eigenen Landes als auch den geltenden EU-Verordnungen.
Lange lag die Verantwortung für die Produkt Compliance und damit die nachweisliche Einhaltung aller einschlägigen Gesetze allein beim Hersteller. Seit der EU-Produktsicherheitsverordnung verteilt sie sich nun über die gesamte Lieferkette und somit auch auf Importeure, Händler, Fulfillment-Dienstleister und Betreiber von Online-Marktplätzen.
Die Product Compliance bleibt damit eine der grundlegendsten und gleichzeitig wichtigsten Aufgaben produzierender Betriebe und importierender Gewerbe. Wir gehen für Sie auf die wichtigsten Punkte und Aspekte ein, damit Sie Risiken wie Bußgelder, Rückrufe, die Sperrung von Angeboten auf Marktplätzen oder Vertriebsverbote gezielt vermeiden können.
Product Compliance für Schnell-Leser
- Was ist gemeint? Product Compliance ist die nachweisliche Einhaltung aller Vorschriften, die für ein Produkt gelten – von Sicherheit und Kennzeichnung über Verpackung bis zur Entsorgung.
- Produktsicherheit: Die EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) ist seit Dezember 2024 unmittelbar anwendbar und erfasst auch Online-Händler, Fulfillment-Dienstleister und Marktplätze.
- Verpackungen: Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) gilt seit 2026. In Deutschland hat das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) das Verpackungsgesetz abgelöst.
- Ökodesign: Über die Ökodesign-Verordnung (ESPR) und den digitalen Produktpass kommen Anforderungen an Haltbarkeit, Rezyklatanteil und Reparierbarkeit hinzu – produktgruppenweise gestaffelt.
- Werbeaussagen: Ab 2026 gelten mit der EmpCo-Richtlinie strenge Regeln für Umweltaussagen wie „klimaneutral“ oder „umweltfreundlich“.
- Wer haftet? Jeder Wirtschaftsakteur in der Lieferkette – nicht mehr nur der Hersteller.
Welche Funktion hat die Product Compliance?
Die rechtlichen Anforderungen an die Product Compliance haben sich in den letzten Jahren gewandelt und sind gestiegen. Neben technologischen Neuheiten und wachsenden Sicherheitsbedürfnissen sorgt auch ein größeres gesellschaftliches Umweltbewusstsein für immer komplexere und umfangreichere Rechte und Pflichten. Mithilfe der neuen Vorgaben zur Einhaltung der Compliance für verschiedene Produkte wird sichergestellt, dass alle einschlägigen Gesetze, Richtlinien und Verordnungen bereits bei der Konstruktion und Herstellung berücksichtigt werden.
Ausgehend davon hat sich in der EU bereits einiges getan. Neuerungen wie der Repairability Score, der digitale Produktpass für Textilien oder auch die Ökodesign-Richtlinie machen deutlich, wo die Prioritäten für zukünftige Produkte liegen.
Zusätzlich kommt ein immer größer werdendes Umweltbewusstsein zum Tragen, das in der Schaffung der Umwelt Compliance beziehungsweise Environmental Compliance mündete. Diese gewährleistet die nachweisliche Einhaltung einschlägiger Gesetze und steht dadurch unlängst für eine sichere Marktfähigkeit. Mit diesen Maßnahmen stellt die EU die Weichen für einen verbesserten Umweltschutz und mehr Nachhaltigkeit.
Wie gestaltet sich die Product Compliance 2026?
Wer heute ein Produkt in der EU in Verkehr bringt, bewegt sich in einem Regelwerk, das sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert hat. Die folgenden Vorschriften der Product Compliance betreffen praktisch jedes physische Produkt:
- Produktsicherheit – GPSR: Die Verordnung (EU) 2023/988 ist seit 2024 anwendbar und hat die alte Produktsicherheitsrichtlinie sowie große Teile des Produktsicherheitsgesetzes ersetzt. Pflicht sind eine dokumentierte Risikoanalyse, technische Unterlagen, Warnhinweise in der Sprache des Zielmarkts und vollständige Herstellerangaben in jedem Angebot.
- Verpackungen – PPWR und VerpackDG: Die Verordnung PPWR (EU) 2025/40 gilt seit 2026 unmittelbar. Zum Geltungsbeginn stehen Stoffbeschränkungen (Schwermetalle sowie PFAS-Grenzwerte bei Lebensmittelkontakt), die Konformitätsbewertung samt Konformitätserklärung je Verpackung und die Anforderungen an Mehrwegverpackungen im Vordergrund; Rezyklat-Vorgaben für Verpackungen und Design-for-Recycling-Kriterien folgen. Parallel hat in Deutschland das VerpackDG das Verpackungsgesetz abgelöst.
- Ökodesign – ESPR und digitaler Produktpass: Die Verordnung (EU) 2024/1781 ist ein Rahmengesetz; verbindliche Anforderungen entstehen produktgruppenweise über delegierte Rechtsakte. Der Arbeitsplan 2025–2030 priorisiert unter anderem Textilien, Möbel, Eisen und Stahl, Aluminium sowie Reifen.
- Batterien – BattVO und BattDG: Das neue Batteriegesetz BattDG hat 2025 das veraltete Gesetz abgelöst. Aus drei Batteriearten wurden fünf Kategorien; jede Registrierung bei der Stiftung EAR braucht die Zuordnung zu einer Organisation für Herstellerverantwortung. Die Sorgfaltspflichten für Lieferketten greifen ab 2027.
- Entwaldungsfreie Lieferketten – EUDR: Nach zwei Verschiebungen gilt die Verordnung (EU) 2023/1115 ab Dezember 2026 für große und mittlere Unternehmen, ab Juni 2027 für Klein- und Kleinstunternehmen. Betroffen sind Produkte mit Holz, Papier, Kautschuk, Soja, Palmöl, Kaffee, Kakao und Rind.
- Umweltaussagen – EmpCo: Diese Richtlinie (EU) 2024/825 ist ab September 2026 anzuwenden und wird in Deutschland über das UWG umgesetzt. Pauschale Claims ohne belastbaren Nachweis, Klimaneutralitäts-Werbung auf Basis reiner Kompensation und selbst erstellte Nachhaltigkeitssiegel sind dann unzulässig. Die weitergehende Green-Claims-Richtlinie wurde 2025 zurückgezogen – maßgeblich ist EmpCo.
Sechs Schritte zur Prüfung der Product Compliance
Product Compliance ist ein kontinuierlicher Prozess, der an Neuerungen und Veränderungen angepasst werden muss. Viele der neuen Regelungen stellen Händler, Hersteller und Plattformen vor allem vor bürokratische Herausforderungen.
- Betroffenheit klären: Welche Produktgruppen, Materialien und Zielmärkte sind im Portfolio? Ein Blick in die Zolltarifnummern zeigt schnell, welche Vorschriften greifen.
- Rollen festlegen: Wer ist im jeweiligen Land Hersteller, Importeur, Händler oder Bevollmächtigter? Wer eine Ware unter eigener Marke vertreibt, wird rechtlich zum Hersteller.
- Nachweise aufbauen: Risikoanalyse, technische Dokumentation, Konformitätserklärungen und Prüfberichte müssen jederzeit vorlegbar sein und zehn Jahre aufbewahrt werden.
- Registrierungen erledigen: LUCID beziehungsweise das Herstellerregister der ZSVR für Verpackungen, Stiftung EAR für Elektrogeräte und Batterien, dazu die nationalen Register der übrigen Zielmärkte.
- Produktdaten pflegen: Kennzeichnung, Pflichtangaben im Shop und Entsorgungshinweise gehören strukturiert ins PIM oder ERP – auch als Vorbereitung auf den digitalen Produktpass.
- Fristen überwachen: Delegierte Rechtsakte, Leitlinien und nationale Durchführungsgesetze ändern sich laufend. Ein fester Review-Termin pro Quartal verhindert unangenehme Überraschungen.
Product Compliance der Deutsche Recycling
Die Einhaltung der Product Compliance kann zunächst herausfordernd sein. Gerade hier drohen jedoch bei Zuwiderhandlung bzw. Nichteinhaltung hohe Strafen bis hin zu Vertriebsverboten. Gleichzeitig erfüllen die Richtlinien eine bedeutende Aufgabe, indem sie versuchen, die Ökosysteme unserer Erde zu schützen. Viele Unternehmen möchten also ihrer Produktverantwortung nachkommen, sind jedoch überfordert ob der großen Anforderungen, die an sie gestellt werden.
Was Sie jetzt benötigen, ist ein fachkundiger Partner an Ihrer Seite, der über jahrelange Expertise im Bereich der nationalen und internationalen Gesetzgebung verfügt. Wir von der Deutsche Recycling sind Dienstleister im Bereich der Produkt Compliance und kümmern uns um die Konformität Ihrer Produkte und Ihres Betriebes. Wir übernehmen Registrierungen und Lizenzierungen in über 40 Ländern, treten als Bevollmächtigter für die erweiterte Herstellerverantwortung auf und prüfen Ihre Kennzeichnungspflichten für Verpackungen, Elektrogeräte, Batterien und Textilien. Machen Sie noch heute den Compliance-Check und erfahren Sie, welche Vorgaben Sie gemäß Product Compliance einhalten müssen.
Bei weiteren Fragen zur Umwelt oder Product Compliance dürfen Sie gerne jederzeit Kontakt zu uns aufnehmen. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.
FAQ: Product Compliance
Warum ist Product Compliance für Unternehmen so wichtig?
Ohne funktionierende Product Compliance können Produkte schnell zum rechtlichen und wirtschaftlichen Risiko werden. Fehler bei Kennzeichnungen, Registrierungen oder Sicherheitsanforderungen können unter anderem zu Bußgeldern, Rückrufen oder Verkaufsstopps führen. Besonders problematisch wird es, wenn solche Mängel erst nach dem Marktstart auffallen. Eine saubere Compliance-Struktur hilft dabei, solche Situationen möglichst von Anfang an zu vermeiden.
Wer trägt die Verantwortung für die Product Compliance?
Die Verantwortung für Product Compliance liegt heute nicht mehr automatisch nur beim Hersteller. Je nach Vertriebsmodell können auch Importeure, Händler, Fulfillment-Anbieter und Online-Marktplätze eigene Pflichten haben. Entscheidend ist, welche Rolle ein Unternehmen innerhalb der Lieferkette tatsächlich übernimmt. Gerade beim Verkauf unter eigener Marke kann ein Händler beispielsweise rechtlich wie ein Hersteller behandelt werden.
Welche Regelungen sind für die Produkt Compliance besonders relevant?
Welche Vorschriften zur Produkt Compliance eingehalten werden müssen, unterscheidet sich je nach Produkt. Häufig spielen Vorgaben zur Produktsicherheit, Verpackung, Ökodesign, Batterien oder Umweltkommunikation eine Rolle. Hinzu kommen nationale Anforderungen in den jeweiligen Verkaufsländern. Eine pauschale Compliance-Liste für alle Produkte gibt es deshalb nicht.
Welche Bedeutung hat die GPSR für die Product Compliance?
Die GPSR hat die Anforderungen an die Produktsicherheit in der EU deutlich erweitert. Unternehmen müssen unter anderem nachvollziehbar dokumentieren, dass mögliche Risiken eines Produktes bewertet wurden. Auch Angaben im Online-Shop, Warnhinweise und Informationen zum verantwortlichen Wirtschaftsakteur sind relevant. Für die Product Compliance im europäischen Online-Handel ist die GPSR deshalb ein besonders wichtiger Baustein.
Was hat der digitale Produktpass mit Product Compliance zu tun?
Der digitale Produktpass soll relevante Produktinformationen künftig leichter zugänglich und nachvollziehbar machen. Dazu können unter anderem Daten zu Materialien, Reparierbarkeit, Haltbarkeit oder Recycling gehören. Für Unternehmen bedeutet das, dass Produktdaten künftig noch strukturierter gepflegt werden müssen. Wer seine Systeme frühzeitig darauf vorbereitet, kann spätere Anforderungen der Product Compliance leichter umsetzen.
