[Dieser Artikel wurde aktualisiert]
Die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) nimmt auch in Frankreich Hersteller, Importeure und Händler in die Pflicht, über den gesamten Produktlebenszyklus und auch danach die Verantwortung für ihre Produkte zu tragen. Jeder EU-Staat muss die von der EU erlassenen Verordnungen und Richtlinien in nationales Gesetz umsetzen – und Frankreich setzt bei der erweiterten Herstellerverantwortung hohe Standards, an denen sich auch andere EU-Staaten künftig orientieren können.
Wir zeigen Ihnen, wie Frankreich die EPR händelt und welche Zeichen das Land für die Zukunft setzt!
Die EPR-Registrierung in Frankreich für Schnell-Leser
Von der EPR in Frankreich sind weitaus mehr Produktgruppen betroffen als in anderen EU-Staaten. Zusätzlich zu den in der EU unter die EPR fallenden Batterien, Verpackungen sowie Elektro- und Elektronikprodukten gilt in Frankreich die EPR unter anderem für Spielzeuge, Sportwaren, Textilien, Möbel und Sportboote.
Auch die Anforderungen der erweiterten Herstellerverantwortung in Frankreich sind in vielen Bestandteilen strenger als in anderen EU-Staaten, weil beispielsweise umfassende Ökodesign-Pläne ausgearbeitet werden müssen und bei einer Verfehlung der Anforderungen der EPRs in Frankreich drakonische Strafen drohen. Aktuell betrifft dies vor allem Textilien von Ultra-Fast-Fashion Brands wie Shein und Temu. Hier sind seit Beginn 2026 strenge Regelungen und finanzielle Sanktionen geplant und auf dem Weg zur Durchsetzung.
Wie gestaltet Frankreich die EPR?
Die EPRs in Frankreich sind ein Beispiel dafür, wie streng die Gesetzgebungen eines Staates über die Vorgaben der EU hinausgehen können. Als erster EU-Staat hat Frankreich eine erweiterte Herstellerverantwortung für Textilien erlassen. Darüber hinaus sind im Vergleich zu den Vorgaben der EU weitere EPRs in Frankreich deutlich verschärft. Verantwortlich ist hier die Textil-EPR-Organisation Refashion.
Frankreich plant mit dieser ein umfassendes Bonus-Malus-Modell. Während nachhaltige Hersteller also profitieren, sollen Fast-Fashion-Labels und -Hersteller zur Kasse gebeten werden, wenn sie ihre Produkte in Umlauf bringen. Zusätzlich sind Werbeeinschränkungen beziehungsweise Verbote geplant.
Hersteller, Händler, Importeure und Exporteure, die ihre Waren auf dem französischen Markt anbieten, müssen in Frankreich so mehr EPRs als in anderen EU-Staaten berücksichtigen.
Wie werden EU-EPRs in Frankreich umgesetzt?
Die Umsetzung der drei EPRs der EU war in Frankreich, ebenso wie in jedem anderen EU-Staat, verpflichtend und ist erfolgt. Von diesen EPRs betroffen sind Verpackungen, Elektro- und Elektronikgeräte sowie Batterien. Zur Einhaltung dieser braucht es auch in Frankreich eine EPR-Nummer und die Registrierung in einem zentralen Register.
Sämtliche Hersteller, Verkäufer und Importeure, die in Frankreich Waren verkaufen, brauchen eine EPR-Registrierungsnummer, um Compliance zu gewährleisten und sich rechtlich abzusichern.
Werden mehrere verschiedene Produktgruppen auf den Markt gebracht, so gibt es mehrere Registrierungsnummern. Zusätzlich zur Registrierung bei einem Rücknahmesystem werden alle verpflichteten Hersteller ins Nationalregister der ADEME (SYDEREP) eingetragen.
Dies umfasst unter anderem die folgenden Schritte:
- Registrierung in den Kategorien, die zu den Produkten passen
- Beitritt zu einer Organisation für Herstellerverantwortung (PRO) oder Einrichtung eines individuellen und eigenen Systems, das die Pflichten der PRO erfüllt
- Angabe der EPR-Registrierungsnummer aus Frankreich, wo immer sie gefordert wird (zum Beispiel auf Verkaufsplattformen und in den jährlichen Berichten gegenüber der ADEME)
Auf diese Weise entsteht ein umfassendes und strukturiertes System, das eine saubere Dokumentation ermöglicht!
Online-Marktplätze und der digitale Handel
Falls der Verkauf der Produkte über Online-Plattformen wie Amazon und Ebay erfolgt, muss die Registrierungsnummer angegeben werden. Durch die verstärkte Kontrollpflicht der Online-Marktplätze muss die ID in den AGBs oder– falls keine AGBs vorhanden sind – in einem anderen Verkaufsdokument stehen. Ansonsten kann und muss die Plattformen die Verkäufer oder einzelne nicht registrierte Produktgruppen aus dem Handel ausschließen.
Was muss im Zuge der EPR in Frankreich gemeldet werden?
Unter der EPR-Nummer für Frankreich melden Unternehmen die Gesamtmengen und die Gewichte der auf dem französischen Markt platzierten Waren. Zudem wird bei den EPRs in Frankreich verlangt, anzugeben, welchen Rezyklatgehalt die Produkte aufweisen. Für Artikel, die hier mit schlechter Reparierbarkeit und Langlebigkeit und umweltbelastenden Design auffällig werden – wie Fast-Fashion-Textilien – sind hier zukünftig hohe Aufschläge vorgesehen.
Jährliche Erhebungs- und Verarbeitungsberichte sind an alle zuständigen Behörden unter Angabe der EPR-Nummer für Frankreich zu erteilen. Zu jedem Berichtszeitraum wird zur Einhaltung der EPRs in Frankreich außerdem eine Umweltabgabe bezahlt, die die Behörden berechnen und für nachlässige Hersteller höher ausfallen.
Zudem umfassen die EPR-Auflagen in Frankreich die Erstellung von Ökodesign-Plänen für Verpackungen und die Rücknahmepflicht bestimmter Produkte fürs Recycling.
Welche EPR-Pflichten erwarten Unternehmen in Frankreich?
In der Regel treten Unternehmen, wie bereits erwähnt, einem Entsorgungsverband bei, um sich nicht selbst um die Entsorgung ihrer Produkte kümmern zu müssen. Diese Verbände hören auf die Bezeichnung „éco-organisme“. Unternehmen entrichten an diese Verbände Beiträge für die Entsorgung von Abfällen. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach der Menge des Abfalls.
Mit dem Eintritt in die Entsorgungsverbände sind neben der Zahlpflicht weitere Pflichten verbunden. So mussten Unternehmen bereits 2023 einen Prevention and Eco-Design Plan (PPE) einreichen, der einen Maßnahmenplan zu den folgenden Aspekten enthält:
- Reduzierung von Einwegverpackungen, häufigere Verwendung von Mehrwegverpackungen und Verlängerung der Lebensdauer von Verpackungen
- Häufigere Verwendung von Recycling-Rohstoffen in Verpackungen
- Optimierung der Verpackungen im Hinblick auf ihre Recycling-Effizienz
Die Anforderungen an den PPE und die hohen Strafen bei Nicht-Erfüllung sowie einer Nicht-Einreichung des Plans sind ein Beispiel dafür, wie streng die EPRs in Frankreich teilweise ausgelegt sind und wie sehr Frankreich im Vergleich zur EU und anderen Mitgliedsstaaten im Bereich des Umweltschutzes vorprescht.
Die Rücknahmepflicht für bestimmte Arten von Produkten
Ebenso wie in anderen EU-Staaten sind auch bei den EPRs in Frankreich die Unternehmen zur Rücknahme bestimmter Produkte verpflichtet. Diesen Produktgruppen gehören beispielsweise Batterien sowie Elektro- und Elektronikgeräte an. Mit der Pflicht zur Rücknahme setzt Frankreich bei der EPR unter anderem die WEEE-Richtlinie der EU und die EU-Batterieverordnung um.
Eine weitere Anforderung in diesem Zusammenhang: Die Recycling-Fähigkeit der Produkte muss für Verbraucher sichtbar gekennzeichnet sein. Die Kennzeichnung der erwähnten Produktgruppen ist auch in den anderen EU-Staaten Pflicht. Frankreich hat allerdings die Besonderheit, dass mit dem Triman-Logo ein komplett eigenes Label zur Kennzeichnung geschaffen wurde. Seit 2022 ist die Anbringung dieses Labels sogar auf allen Produkten verpflichtend, die unter die erweiterte Herstellerverantwortung in Frankreich fallen.
Besonderheiten der EPRs in Frankreich im Vergleich zu den EPRs in anderen EU-Staaten
Die Verfehlung von Fristen bei der Einreichung von Jahresberichten, Maßnahmenplänen und weiteren angeforderten Dokumenten wird bei den EPRs in Frankreich auffällig stark bestraft. Zuständige Behörden gehen somit bei der Kontrolle der EPRs in Frankreich strikt vor, weswegen Unternehmen sich frühzeitig auf Gesetzesänderungen einstellen und die erforderlichen Maßnahmen zur Einhaltung der Gesetze schnellstmöglich einleiten sollten.
Darüber hinaus ist Frankreich das Land in der EU, bei dem mit Abstand die meisten Produktgruppen in den Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung fallen. Dies betrifft beispielsweise Folgendes:
- Die EPR für Textilien wird in Frankreich bereits umgesetzt. Seit dem 1. Juli 2023 gilt die EPR für Textilien in den Niederlanden ebenfalls.
- Um dem Problem einer hohen Menge ungenutzter und nicht recycelter Yachten sowie Sportboote entgegenzuwirken, wurde in Frankreich zudem eine Recycling-Pflicht für Yachten und Boote eingeführt.
- Zudem gilt in Frankreich eine EPR im Spielwarenbereich. Dabei ist es nicht wie in Deutschland erforderlich, dass das Spielzeug eine Batterie enthält. Auch ohne integrierte Batterie fällt es unter die EPR in Frankreich.
Des Weiteren hat Frankreich EPRs für Sportwaren sowie Möbel und andere Einrichtungsgegenstände erlassen.
Sonderfall Textilien: Was ändert sich für die EPR für Textilien in Frankreich?
Frankreich gilt als Vorreiter der EPR für Textilien und verschärft den Kurs seit Anfang 2026 deutlich. Im Januar beauftragte das französische Ministerium für ökologischen Wandel die Organisation Refashion, einen Plan für die Einführung von Strafaufschlägen zu entwickeln – die sich speziell an Fast-Fashion-Labels richten sollen.
Betroffen sind alle Marken, Importeure und Online-Plattformen, die Bekleidung, Heimtextilien oder Schuhe auf dem französischen Markt in Verkehr bringen – allen voran Shein oder auch Temu. Das zentrale Instrument dabei ist das bestehende Ecomodulation-System von Refashion, das nun gezielt als Sanktionshebel eingesetzt werden soll.
Folgende Maßnahmen sind angedacht:
- Malus für wenig nachhaltige Produkte: Produkte mit niedrigem Nachhaltigkeitsscore werden höhere EPR-Gebühren tragen – mit einem Mindestbetrag von 5 Euro pro Artikel, der bis 2030 auf bis zu 10 Euro ansteigt.
- Bonus für nachhaltiges Design: Langlebige, reparierbare und recyclingfähige Produkte können von reduzierten Gebühren profitieren.
- Werbeverbot: Das im Juni 2025 verabschiedete Gesetz sieht ein Werbeverbot für Fast-Fashion-Produkte vor, die zu übermäßigem Konsum animieren.
Unternehmen, die Textilien in Frankreich vertreiben, sollten ihre Produktstrategien und Ecodesign-Maßnahmen kurzfristig überprüfen, denn für die Zukunft stehen die Zeichen so, dass sich die EU Frankreich im Bereich EPR zum Vorbild nimmt.
Die EPR in Frankreich verstehen und händeln
Wie schon anhand der Menge an Produktgruppen zu sehen ist, die unter die EPRs in Frankreich fallen, sind die Anforderungen an Unternehmen, die ihre Produkte in Frankreich auf den Markt bringen, sehr hoch. Es ist unter dem Blickpunkt der hohen Anforderungen sinnvoll, sich von Experten für die EPR in Frankreich betreuen zu lassen.
Gerne bieten wir von der Deutsche Recycling GmbH dahingehend unsere Dienste an. Von Compliance-Checks bis zum Ergreifen von Maßnahmen zur Einhaltung der EPR in Frankreich erbringen wir individuelle Leistungen und unterstützen Unternehmen auf diese Weise dabei, sich voll auf ihr Kerngeschäft fokussieren zu können und teuren Sanktionen aus dem Weg zu gehen.
FAQ: EPR in Frankreich
Was ist die EPR in Frankreich und wen betrifft sie?
Die EPR in Frankreich (Erweiterte Herstellerverantwortung) verpflichtet Hersteller, Importeure und Händler dazu, über den gesamten Produktlebenszyklus Verantwortung für ihre Waren zu übernehmen – auch nach deren Nutzung. Betroffen sind alle Unternehmen, die Produkte auf dem französischen Markt in Verkehr bringen, unabhängig davon, ob sie ihren Sitz in Frankreich oder im Ausland haben. Frankreich geht dabei deutlich über die EU-Mindestanforderungen hinaus und gilt als strengster EPR-Standort innerhalb der EU.
Welche Produktgruppen fallen unter die EPR in Frankreich?
Die EPR in Frankreich umfasst weit mehr Produktgruppen als die EU-weiten Mindestanforderungen. Neben den EU-weit verpflichtenden Kategorien Verpackungen, Elektro- und Elektronikgeräte sowie Batterien gelten in Frankreich zusätzlich EPR-Pflichten für Textilien, Spielzeug, Sportwaren, Möbel und sogar Yachten und Sportboote. Unternehmen, die mehrere Produktgruppen vermarkten, benötigen entsprechend mehrere EPR-Registrierungsnummern für Frankreich.
Wie funktioniert die EPR-Registrierung in Frankreich?
Die EPR-Registrierung in Frankreich erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst müssen Unternehmen die für ihre Produkte relevanten EPR-Kategorien identifizieren und sich anschließend einer anerkannten Organisation für Herstellerverantwortung (éco-organisme) anschließen oder ein eigenes Rücknahmesystem einrichten. Nach der Registrierung werden alle verpflichteten Hersteller im nationalen Register der ADEME (SYDEREP) eingetragen und erhalten ihre EPR-Registrierungsnummer für Frankreich. Diese Nummer muss überall dort angegeben werden, wo sie gefordert wird – etwa auf Online-Verkaufsplattformen oder in Jahresberichten.
Welche Besonderheiten hat die erweiterte Herstellerverantwortung Frankreich im Vergleich zu anderen EU-Ländern?
Die erweiterte Herstellerverantwortung in Frankreich zeichnet sich durch besonders strenge Anforderungen und eine hohe Anzahl betroffener Produktkategorien aus. So müssen Unternehmen etwa umfassende Ökodesign-Pläne (Prevention and Eco-Design Plans) einreichen und bei Fristverstößen mit empfindlichen Strafen rechnen. Zudem hat Frankreich mit dem Triman-Logo ein eigenes nationales Kennzeichnungssystem eingeführt, das seit 2022 für alle EPR-pflichtigen Produkte verpflichtend ist.
Warum gilt die EPR Frankreich als Vorbild für andere EU-Staaten?
Frankreich war das erste EU-Land, das eine EPR für Textilien eingeführt hat, und geht in vielen Bereichen weit über die EU-Mindestvorgaben hinaus. Das umfassende Bonus-Malus-System, die hohe Anzahl regulierter Produktgruppen und die konsequente Durchsetzung machen das französische EPR-Modell zu einem Referenzpunkt für die europäische Umweltpolitik. Experten und politische Beobachter gehen davon aus, dass sich die EU bei der Weiterentwicklung ihrer EPR-Regelwerke zunehmend an Frankreich orientieren wird.
