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Kontrollpflicht von Online-Marktplätzen im Überblick

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Die Bedeutung elektronischer Marktplätze ist längst nicht mehr von der Hand zu weisen. Plattformen wie Amazon als globale Größe oder hierzulande Kaufland haben sich zu Räumen entwickelt, in denen Angebot, Nachfrage und Logistik zusammentreffen und sowohl B2C- und B2B-Beziehungen neu definiert werden.

Mit dem stetigen Wachstum werden Online-Marktplätze jetzt in die Kontrollpflicht genommen. Durch Verordnungen der EU soll sichergestellt werden, dass die Produktsicherheit gewahrt und die Transparenz hinsichtlich Fertigung und Materialbeschaffenheit gewährleistet werden. Die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) wird im digitalen Raum zu einem essenziellen Faktor, damit Online-Marktplätze ihrer Kontrollpflicht nachkommen.

Kontrollpflicht und EPR – Marktplätze im modernen Handel

Elektronische Marktplätze wie Amazon, Alibaba oder jüngst auch Temu stellen Verkäufern und Käufern gleichermaßen eine breite Palette an Dienstleistungen und Produkten zur Verfügung. Dazu gehören technische Infrastruktur, Darstellung von Produkten, Zahlungsabwicklung, Kundenkommunikation und oftmals auch Logistik- und Versandlösungen. Zeitgleich wird die Kontrollpflicht der Online-Marktplätze zunehmend ausgebaut und an aktuelle Anforderungen angepasst. Es handelt sich um einen notwendigen Schritt, um Endverbraucher vor Mangelwaren oder potenziell gesundheitsschädigenden Produkten zu schützen und Nachhaltigkeitskonzepte durchzusetzen.

Mit dem europäischen Digital Services Act (DSA) wurden diese Pflichten weiter konkretisiert. Plattformen unterliegen einer Kontrollpflicht für ihren Marktplatz und müssen Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben verhindern. Dazu zählt insbesondere die Überwachung der EPR-Konformität – also der Verpflichtungen, die Hersteller und Händler in Bereichen wie Verpackungen, Elektrogeräten oder vor dem Batteriegesetz erfüllen müssen.

Wesentliche Aufgaben der Marktplätze sind daher:

  • Sicherstellung der Transparenz von Händlerangaben
  • Überprüfung wichtiger Registrierungsnummern
  • Schutz der Verbraucher vor unsicheren oder nicht regelkonformen Produkten
  • Maßnahmen zur Verhinderung von Rechtsverstößen

Mit diesen Anforderungen wird die Kontrollpflicht für Online-Marktplätze zum Kerninstrument der modernen Handelsaufsicht.

Warum die Kontrollpflicht im Online-Handel an Bedeutung gewinnt

Das Ziel der Kontrollpflicht von Online-Marktplätzen ist klar – gesetzliche Vorschriften im Online-Handel sollen eingehalten, Nutzer geschützt und faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden. Die EU verteilt die Verantwortung damit bewusster auf die Akteure, die am stärksten in Handelsprozesse eingebunden sind. Und dies ist wenig verwunderlich, wenn man einen Blick auf den umfangreichen Datenpool dieser Plattformen wirft, der eine gezielte Überprüfung erleichtert.

EPR – die erweiterte Herstellerverantwortung – richtet den Blick auf den gesamten Lebenszyklus eines Produkts. Das betrifft insbesondere:

  • Verpackungen
  • Elektro- und Elektronikgeräte (WEEE)
  • Batterien

Im Zusammenhang mit der EPR muss die Kontrollpflicht für Marktplätze im grenzüberschreitenden Online-Handel ernstgenommen werden. Verletzungen geltender Regelungen ziehen oftmals empfindliche Strafen nach sich.

Wie gestaltet sich die Kontrollpflicht von Online-Marktplätzen in Europa?

Die nationale Umsetzung der EPR-Pflichten unterscheidet sich teils wesentlich. Für Marktplätze entsteht daraus ein komplexes Kontrollnetz, das sie zuverlässig beherrschen müssen, um sichere Entscheidungen zu treffen und souverän agieren zu können. Wir haben uns die EPR und die Kontrollpflichten von Marktplätzen innerhalb und außerhalb der EU angeschaut.

Marktplatz-Kontrollpflicht und EPR in Europa

Deutschland

Deutschland hat bereits 2022 Kontrollvorgaben für Verpackungen eingeführt. Online-Marktplätze sind nun in der Kontrollpflicht, vor Freischaltung eines Angebots, die Registrierung im LUCID-Verpackungsregister zu prüfen. Seit 2023 gilt selbiges für Elektrogeräte. Verkäufer benötigen nach der WEEE-Richtlinie eine gültige Nummer der Stiftung EAR. Viele Händler weisen dies über ihre EPR-Nummer bei Amazon nach.

Online-Marktplätze haben bei nicht registrierten Händlern die Kontrollpflicht, diese zu sperren. Dieses Vorgehen ist gesetzlich verankert.

Frankreich

Frankreich setzt strenge Maßstäbe im Rahmen der Anti-Waste Law for a Circular Economy (AGEC). Für zahlreiche Produktkategorien – von Textilien über Möbel bis hin zu Elektrogeräten – müssen Händler eine nationale EPR-Registrierungsnummer (Numéro Unique) vorlegen. Marktplätze dürfen Angebote ohne Nachweis nicht aktiv halten.

Spanien

Auch Spanien nimmt Online-Marktplätze mit einer Kontrollpflicht eng in die Verantwortung. Sie sind verpflichtet, die EPR-Konformität ihrer Händler zu prüfen und Produkte nicht zuzulassen, wenn Registrierungen fehlen. Verstöße können zum dauerhaften Ausschluss führen.

Österreich

In Österreich greift das Abfallwirtschaftsgesetz (AWG). Händler müssen am nationalen EPR-System teilnehmen. Marktplätze haben zu prüfen, ob diese Registrierung vorliegt – andernfalls dürfen Anbieter nicht gelistet werden.

Polen

Auch in Polen gibt es strenge Vorschriften für die Kontrollpflicht von Online-Marktplätzen. Die Vorgaben für Verpackungen und Elektrogeräte sind klar und Händler ohne vollständige Registrierung werden automatisch gesperrt.

BeNeLux

Auch im BeNeLux Bündnis unterstehen Online-Marktplätze verstärkten Prüfpflichten bei Verpackungen und WEEE-Produkten.

Internationale Perspektiven

Der grenzüberschreitende Online-Handel zeigt, wie unterschiedlich die EPR-Kontrollpflichten für Marktplätze auf internationaler Ebene ausgestaltet sind:

  • Nordamerika (Walmart): Je nach US-Bundesstaat gelten unterschiedliche Regeln; Marktplätze verlangen zunehmend Registrierungsnachweise.
  • China (Alibaba): Lokale EPR-Regeln sind weniger streng, aber Exporthändler müssen die Anforderungen der jeweiligen Zielländer erfüllen – ein zusätzlicher Fokus liegt deshalb auf den EPR-Marktplatz-Kontrollpflichten für ausländische Verkäufer.

Der internationale Handel wird durch die Kontrollpflichten für Online-Marktplätze zwar deutlich komplexer, zeitgleich jedoch auch fairer, nachhaltiger und sicherer für den Endverbraucher.

Welche Dokumente müssen Online-Marktplätzen für die Einhaltung der Kontrollpflicht zugestellt werden?

Damit Marktplätze ihren Kontrollpflichten nachkommen können, benötigen sie eindeutige Nachweise der Händler. Häufig gefordert sind:

  • EPR-Registrierungsnummern (z. B. LUCID, WEEE-Nummer, Numéro Unique)
  • Teilnahmebestätigungen an Rücknahmesystemen
  • Importeurs- oder Herstellernachweise
  • Lizenzierungsbescheinigungen für Verpackungen
  • Nachweise für Batterien oder Elektrogeräte

Welche dieser Dokumente erforderlich sind, hängt im Einzelfall von den Ländern und den jeweiligen Produkten ab. Es ist dennoch essenziell sich über die geltenden Verpackungsgesetze und weitere Regularien frühzeitig zu informieren!

Haftungsrisiken für Plattformen und Händler

Verstöße gegen die Kontrollpflicht können für Online-Marktplätze zu erheblichen Konsequenzen führen. Die Haftung bei Verletzung der Kontrollpflichten reicht von behördlichen Bußgeldern über Einschränkungen im Verkaufsbetrieb bis hin zu vollständigen Marktplatz-Sperrungen einzelner Händler.
Für Verkäufer bedeutet eine fehlende Registrierung nicht nur eine rechtliche Gefahr, sondern auch wirtschaftliche Einbußen, da ihre Produkte nicht mehr gelistet werden dürfen. Umgekehrt profitieren regelkonforme Anbieter, da Wettbewerber ohne gültige EPR-Nachweise zunehmend ausgeschlossen werden.

Die Zukunft der Kontrollpflicht für Online-Marktplätze

Mit der geplanten EU-Verpackungsverordnung (PPWR) steht der nächste Umbruch bereits bevor. Die Kontrollpflichten für Online-Marktplätze werden in den kommenden Jahren weiter verschärft, insbesondere mit Blick auf Transparenz, Nachhaltigkeit und Produktsicherheit. Marktplätze werden künftig noch stärker gefordert sein, die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben aktiv zu überwachen und Verstöße präventiv zu verhindern.
Auf diese Weise entwickelt sich die Kontrollpflicht von Online-Marktplätzen zunehmend zu einem europäischen und internationalen Standard, der den gesamten Online-Handel strukturiert und Marktplätzen eine zentrale Verantwortung im Verbraucherschutz und in der Sicherstellung fairer Marktbedingungen zuspricht.
Und sollten Sie in diesen Bereichen Fragen haben oder Unterstützung benötigen, können Sie sich gerne an uns wenden.

Häufig gestellte Fragen

FAQ: Kontrollpflicht von Online-Marktplätzen

Warum gewinnt die Marktplatz-Kontrollpflicht in Europa immer mehr Bedeutung?

Die Kontrollpflicht wird vor allem durch neue EU-Vorgaben wie den Digital Services Act stetig erweitert. Plattformen sollen stärker in die Verantwortung genommen werden, um Verbraucher zu schützen und rechtskonforme Verkaufsbedingungen sicherzustellen. Für Händler bedeutet dies mehr Transparenz – aber auch klare Anforderungen an ihre eigenen Registrierungen.

Welche Rolle spielt die Kontrollpflicht für Online-Marktplätze in Bezug auf Verbraucherschutz?

Die Kontrollpflicht sorgt dafür, dass nur überprüfte und sichere Produkte auf Marktplätzen angeboten werden. Durch die Kontrolle der EPR-Daten tragen Plattformen dazu bei, gefährliche oder nicht regelkonforme Waren frühzeitig zu erkennen. Dies erhöht die Transparenz für Käufer und schützt sie vor möglichen Gesundheitsrisiken. Gleichzeitig wird ein fairer Wettbewerb gefördert, da illegale Anbieter ausgeschlossen werden.

Welche Risiken tragen Online-Marktplätze bei Verstößen gegen die Kontrollpflicht?

Wenn ein Marktplatz seine Kontrollpflicht vernachlässigt, drohen hohe Bußgelder, Einschränkungen der Plattformfunktionen oder rechtliche Konsequenzen. Behörden können außerdem verlangen, bestimmte Produkte zu entfernen oder ganze Händlerkonten zu sperren. Da Marktplätze als zentrale Akteure des Online-Handels gelten, wird ihre Kontrollrolle zunehmend stärker überwacht. Eine konsequente Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben ist daher unerlässlich.

Welche Vorteile bringt eine konsequent eingehaltene Kontrollpflicht für Händler?

Händler, die EPR-konform arbeiten, genießen klare Wettbewerbsvorteile, da nicht registrierte Anbieter zunehmend ausgeschlossen werden. Dadurch erhöht sich die Sichtbarkeit regelkonformer Angebote, was langfristig zu stabilen Umsätzen führt. Außerdem stärkt eine saubere Dokumentation das Vertrauen von Marktplätzen und Verbrauchern. Dies wirkt sich positiv auf das gesamte Geschäftsprofil aus.

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