Top & Flop Recycler der Welt – welche Länder besonders vorbildlich sind und welche nicht

Mülltonnen / Recycling

Angesichts immer knapper werdender Ressourcen, Klimawandel und zunehmender Umweltbelastung, ist es mittlerweile gang und gäbe, dass Wertstoffe gesammelt, getrennt und – sofern möglich – wiederverwertet werden. In der europäischen Union ist das Recycling durch eine Vielzahl an Gesetzen und Verordnungen geregelt, die sowohl den Endverbraucher als auch Produzenten und Händler betreffen. So machen das Verpackungsgesetz, das Elektrogesetz und das Batteriegesetz Vorgaben dazu, wie mit Verpackungen, Elektroschrott und Altbatterien zu verfahren ist. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat 2016 das Recycling-Verhalten ihrer 35 Mitgliedsländer untersucht.

Was genau ist Recycling und warum ist es wichtig?

Als Recycling bezeichnet man die Aufbereitung und Wiederverwendung von Abfällen, um daraus neue Produkte herzustellen. Wiederverwertbare Abfälle werden in Müllsortieranlagen durch unterschiedliche Verfahren in neue Rohstoffe verwandelt. Auf diese Weise werden natürliche Ressourcen wie Öl, Erze, Kohle oder Holz, geschont.
Die Europäische Union strebt für das Jahr 2035 eine Recyclingquote von 65 Prozent an. Allerdings gelten nur solche Abfälle als recycelt, die tatsächlich wiederverwertet werden und nicht auf der Deponie landen. Das reine Mülltrennen oder -sortieren gilt genaugenommen nicht als Recycling. Auch das Verbrennen von Abfällen zur Energiegewinnung gilt nicht als Recycling.

Top Recylcer: Welche Länder sind beim Recycling vorbildlich?

Laut der OECD Studie zählen diese Länder zu den fünf Top-Entsorgern:

  1. Deutschland
  2. Südkorea
  3. Slowenien
  4. Österreich
  5. Belgien

Der Spitzenplatz von Deutschland mit einer Recyclingquote von bis zu 65 Prozent ist auch der Tatsache geschuldet, dass es bei uns mehrere duale Systeme gibt. So ist beispielweise seit Anfang der 90er Jahre der „Grüne Punkt“ auf den meisten Verpackungen eingesetzt und kennzeichnet diese als wiederverwertbar.

Den zweiten Platz in der Recycling-Rangliste belegte der OECD zufolge Südkorea. In dem asiatischen Land wird 59 Prozent des Mülls wiederverwertet.
Slowenien und Österreich belegen die Plätze 3 und 4. In beiden Ländern werden 58 Prozent ihres Mülls. Slowenien konnte sich gegenüber dem Jahr 2000 um 497 Prozent steigern. Ähnliche Verbesserungen erzielten nur Polen und Estland. Wenngleich diese Länder nicht zu den Top-5-Entsorgern zählen, so konnten sie die Wiederverwertungsrate jedoch 886 Prozent (Polen) bzw. 600 Prozent (Estland) erhöhen.

Flop Recylcer: Welche Länder beim Thema Recyling Nachholbedarf haben

Gemäß der OECD-Studie haben diese Länder bei der Entsorgung von Abfällen besonders schlecht abgeschnitten:

  1. Chile
  2. Türkei
  3. Mexiko
  4. Slowakei
  5. Israel

Den geringsten Stellenwert nimmt das Thema Recycling im südamerikanischen Land Chile ein. Hier wird gerade mal ein Prozent des anfallenden Mülls wiederverwertet. Der Rest landet auf der Deponie. Gleiches gilt für die Türkei. In beiden Ländern hat sich die Entsorgung seit dem Jahr 2000 sogar um 78 Prozent (Chile) bzw. 33 Prozent (Türkei) verschlechtert. Dieses Ergebnis resultiert daraus, dass sowohl für die chilenische als auch für die türkische Regierung die Abfallwirtschaft nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Auf den Plätzen 3 und 4 sind Mexiko und die Slowakei zu finden. Beide Länder recyceln etwas mehr als 10 Prozent ihres Mülls. Die Slowakei konnte sich seit dem Jahr 2000 beim Thema Entsorgung etwas verbessern.

Auf Platz fünf landete Israel. Es teilt sich diesen Platz mit Griechenland und Japan. Nur 19 Prozent des Mülls werden dort wiederverwertet. In Japan landet zwar sehr wenig Müll auf den Deponien. Allerdings ist das darauf zurückzuführen, dass in dem asiatischen Land der meiste Abfall verbrannt wird.

Recyclingquote von 99 Prozent? Warum Schweden Müll importieren muss

Das skandinavische Land Schweden rühmt sich damit, eine Recyclingquote von 99 Prozent zu besitzen. Allerdings kommt dieses beeindruckende Ergebnis nur dadurch zustande, indem die Schweden ihren Abfall verbrennen, um daraus Energie zu gewinnen. Lediglich die Hälfte der anfallenden Wertstoffe wird recycelt. In Deutschland und Österreich ist es mehr.

Um ihre 32 Müllverbrennungsanlagen optimal auszulasten, müssen die Schweden mittlerweile Müll importieren – das eigene Abfallaufkommen ist einfach zu gering. „Futter“ für die Verbrennungsanlagen kommt vorwiegend aus Norwegen, Italien, Großbritannien und Irland.

Wenngleich es umweltfreundlicher ist, Wertstoffe aus Abfall zu recyceln, so ist das Verbrennen von Müll zur Energiegewinnung die bessere Alternative zur Deponie.

Blick über den großen Teich: Ehrgeizige Recyling-Ziele in San Francisco

In den USA gibt es keine nationalen Gesetze, die, wie in den EU-Staaten, die Entsorgung und Wiederverwertung von Wertstoffen regeln. Insgesamt liegt die Recyclingquote bei 35 Prozent. Einzelne Staaten und Stadtverwaltungen tun sich bei der Wiederverwertung von Abfällen besonders hervor. Besonders ambitioniert ist die kalifornische Metropole San Franciso. Wenn es nach den Stadtvätern geht, soll San Francisco bis 2020 müllfrei sein. Das bedeutet, dass dieser soweit vermieden oder recycelt werden soll, dass nichts mehr verbrannt oder auf der Deponie entsorgt werden muss.

Für die Umsetzung dieses „Zero Waste“-Projektes setzt San Francisco auf das Umweltbewusstsein seiner Bewohner – und strenge Kontrollen. Die Haushalte sind mit verschiedenfarbigen Tonnen ausgestattet. Abfallinspektoren überprüfen, ob die Bürger ihren Müll ordnungsgemäß getrennt haben. Verstöße werden zwar nicht geahndet, jedoch in einer Datenbank erfasst und der „Müllsünder“ über sein Vergehen in Kenntnis gesetzt. Das Konzept scheint zu funktionieren: In San Francisco werden mittlerweile etwa 80 Prozent des Mülls recycelt – eine beachtliche Quote, von der viele Länder in Europa noch weit entfernt sind.

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