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Verpackungs-EPR in den USA: Ein Leitfaden für betroffene Unternehmen

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Die Extended Producer Responsibility (EPR) für Verpackungen ist in den Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Vormarsch. Im Gegensatz zu einem nationalen Gesetz entwickelt sich die Regulierung auf Bundesstaatsebene, was für international tätige Unternehmen eine komplexe Compliance-Landschaft schafft. Als Full-Service-Dienstleister im Bereich EPR ist es unser Ziel, Ihnen einen klaren Überblick über die Anforderungen in den sieben Schlüsselstaaten zu geben, die bereits umfassende EPR-Gesetze verabschiedet haben: Kalifornien, Colorado, Maine, Minnesota, Maryland, Oregon und Washington.

Dieser Artikel richtet sich an Unternehmen, die als “Produzenten” von Verpackungen in diesen Märkten gelten und somit zur Registrierung und Mengenmeldung verpflichtet sind. Die Nichteinhaltung dieser neuen Gesetze kann zu erheblichen Strafen führen, weshalb eine proaktive Strategie unerlässlich ist.

Was bedeutet Verpackungs-EPR in den USA?

Extended Producer Responsibility (EPR) verlagert die finanzielle und organisatorische Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus von Verpackungen – von der Entsorgung bis zum Recycling – von den Kommunen auf die Hersteller, die diese Verpackungen in Verkehr bringen.

In den USA wird diese Verantwortung durch sogenannte Producer Responsibility Organizations (PROs) wahrgenommen. Produzenten sind verpflichtet, sich bei der zuständigen PRO zu registrieren und jährliche Gebühren zu entrichten, die auf der Menge und Art der in Verkehr gebrachten Verpackungen basieren. Diese Gebühren finanzieren die Verbesserung der Recyclinginfrastruktur und -programme in den jeweiligen Bundesstaaten.

Die Komplexität liegt in den unterschiedlichen Definitionen von “Produzent”, den variierenden Schwellenwerten (Umsatz oder Menge) und den abweichenden Zeitplänen der einzelnen Staaten

Die Sieben Schlüsselstaaten: Ein Überblick

Die folgenden sieben Staaten haben die EPR-Gesetzgebung für Verpackungen verabschiedet. Die Implementierungsphasen sind unterschiedlich, aber die Anforderungen an die Produzenten beginnen bereits jetzt.

Detaillierte Betrachtung der aktiven Programme

Oregon (OR): Oregon ist der Vorreiter in den USA. Produzenten, die die Schwellenwerte überschreiten, mussten sich bereits 2025 registrieren und ihre Verpackungsmengen melden. Die Gebührenerhebung hat begonnen, wobei die Kosten pro Pfund in Verkehr gebrachtem Material geschätzt werden. Die starke Öko-Modulation belohnt nachhaltige Verpackungsdesigns und bestraft schwer recycelbare Materialien.

Colorado (CO): Mit dem Programmstart am 1. Januar 2026 ist Eile geboten. Die Registrierung bei der CAA und die erste Mengenmeldung im Juli 2025 waren kritische Schritte. Unternehmen, die diese Fristen verpasst haben, sollten umgehend handeln. Colorado plant ebenfalls eine Öko-Modulation, die Anreize für Wiederbefüllungs-/Wiederverwendungssysteme und den Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) schafft.

Kalifornien (CA) – SB 54: Das strengste Gesetz der USA
Kalifornien, der größte US-Markt, hat mit dem Senate Bill 54 (SB 54), offiziell bekannt als Plastic Pollution Prevention and Packaging Producer Responsibility Act, eines der weitreichendsten EPR-Gesetze des Landes verabschiedet.

Kernpunkte von SB 54:

  • Ziel 100%: Das Gesetz zielt darauf ab, dass bis 2032 100% aller Verpackungen und Einweg-Lebensmittelbehälter aus Kunststoff im Staat recycelbar oder kompostierbar sein müssen.
  • Reduktionsziele: Es werden spezifische Reduktionsziele für Kunststoffverpackungen festgelegt, was SB 54 zur ersten Gesetzgebung in den USA macht, die solche Ziele vorschreibt.
  • Registrierung und Fristen: Die Registrierung bei der Circular Action Alliance (CAA) war im September 2025 fällig. Die erste Mengenmeldung (für 2023er Daten) ist für November 2025 vorgeschlagen.

Die Rolle von Proposition 65 (Prop 65): Ein zentraler und strenger Aspekt der kalifornischen EPR ist die Verknüpfung mit der Proposition 65 (Safe Drinking Water and Toxic Enforcement Act of 1986). Diese Liste enthält über 900 Chemikalien, die in Kalifornien als krebserregend oder reproduktionstoxisch eingestuft sind.

  • Öko-Modulation und Prop 65: Die Öko-Modulations-Regeln von SB 54 sehen vor, dass Verpackungen, die Chemikalien der Prop 65-Liste enthalten, mit Strafen belegt werden. Dies soll die Verwendung problematischer Stoffe in Verpackungen aktiv verhindern.
  • Relevanz für Produzenten: Da Prop 65-gelistete Chemikalien in vielen Bestandteilen von Verpackungen (wie Tinten, Klebstoffen und Etiketten) enthalten sein können, müssen Produzenten ihre Materialzusammensetzung genauestens prüfen, um Strafen zu vermeiden und die Anforderungen der Öko-Modulation zu erfüllen.

Minnesota (MN): Die Registrierungsfrist im Juli 2025 war entscheidend, da bei Nichteinhaltung hohe tägliche Strafen drohen. Minnesota setzt ein langfristiges Ziel: Bis 2032 müssen alle Verpackungen eine der drei Kriterien (wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar) erfüllen.

Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung: Hohe Strafen drohen

Die EPR-Gesetze in den USA sind mit erheblichen Sanktionen für Unternehmen verbunden, die ihren Registrierungs- und Meldepflichten nicht nachkommen. Die Höhe der Strafen variiert je nach Bundesstaat und Schwere des Verstoßes, kann aber schnell existenzbedrohend werden.

Die Strafen sind oft tageweise angesetzt, was bedeutet, dass sich die Gesamtsumme bei anhaltender Nichteinhaltung schnell akkumuliert. Insbesondere in Kalifornien und Oregon, wo die Strafen bis zu $50.000 bzw. $25.000 pro Tag betragen können, stellt die Compliance eine existenzielle Notwendigkeit dar.

Wichtig: In einigen Staaten, wie Oregon, ist die Nicht-Registrierung oder die Nicht-Mitgliedschaft in der PRO ein Verstoß der Klasse 1, der die höchsten Strafen nach sich zieht.

Konkrete Handlungsempfehlungen für betroffene Unternehmen

Die Komplexität der US-EPR-Gesetze erfordert eine strukturierte Vorgehensweise. Als Produzent sollten Sie folgende Schritte unverzüglich einleiten:

  1. Prüfen Sie Ihre Produzentenpflicht: Bestimmen Sie anhand der Umsatz- und Mengenschwellenwerte jedes einzelnen Staates, ob Ihr Unternehmen als “Covered Producer” gilt. Diese Schwellenwerte variieren stark und müssen individuell geprüft werden.
  2. Registrierung bei der PRO: Wo die Circular Action Alliance (CAA) als PRO benannt wurde (OR, CO, CA, MN, MD), ist die Registrierung dort der erste Schritt. In Maine und Washington müssen die Entwicklungen der jeweiligen PROs beobachtet werden.
  3. Datenaggregation und -meldung: Beginnen Sie sofort mit der Sammlung detaillierter Daten über die Art, das Gewicht und das Material Ihrer in den jeweiligen Staaten in Verkehr gebrachten Verpackungen (einschließlich Primär-, Sekundär- und Tertiärverpackungen). Die Meldung der Mengen ist die Grundlage für die Berechnung Ihrer Gebühren.
  4. Bewertung der Öko-Modulation: Analysieren Sie, wie Ihre aktuellen Verpackungen unter den Öko-Modulations-Regeln der Staaten (insbesondere OR, CO, CA, WA) abschneiden. Passen Sie Ihr Verpackungsdesign an, um von niedrigeren Gebühren zu profitieren und Strafen zu vermeiden.

Fazit: Jetzt handeln, um Compliance zu sichern

Die Einführung der Verpackungs-EPR in den USA ist ein dynamischer Prozess, der sofortiges Handeln erfordert. Mit vier Staaten, die bereits aktive Registrierungs- und Meldepflichten haben, ist die Zeit zum Handeln gekommen. Die Einhaltung der Vorschriften ist nicht nur eine rechtliche Notwendigkeit, sondern auch eine Chance, Ihre Verpackungsstrategie nachhaltiger und zukunftssicher zu gestalten.

Sichern Sie Ihre Compliance mit unserem Full-Service-Ansatz. Als Ihr erfahrener EPR-Dienstleister bieten wir Ihnen die notwendige Expertise, um die Komplexität der US-Gesetze zu navigieren. Wir übernehmen für Sie die Bestimmung Ihrer Pflichten, die fristgerechte Registrierung bei den PROs und die präzise Mengenmeldung, damit Sie sich auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Häufig gestellte Fragen

FAQ: Verpackungen USA

Was ist ein "Covered Producer" (Abgedeckter Produzent)?

Die Definition variiert je nach Bundesstaat, aber im Allgemeinen ist ein “Covered Producer” ein Unternehmen, das verpackte Produkte in den jeweiligen Staat verkauft, vertreibt oder importiert und bestimmte Umsatz- oder Mengen-Schwellenwerte überschreitet. Es ist entscheidend, die spezifischen Schwellenwerte jedes Staates zu prüfen, da diese stark voneinander abweichen.

Was ist die Circular Action Alliance (CAA)?

Die Circular Action Alliance (CAA) ist die von den Bundesstaaten Oregon, Colorado, Kalifornien, Minnesota und Maryland benannte Producer Responsibility Organization (PRO). Produzenten in diesen Staaten müssen sich bei der CAA registrieren und ihre Mitgliedsbeiträge entrichten, um die Compliance zu gewährleisten.

Welche Arten von Verpackungen sind betroffen?

Betroffen sind in der Regel alle Primär-, Sekundär- und Tertiärverpackungen, die in den jeweiligen Staat in Verkehr gebracht werden. Dazu gehören Kunststoff, Papier, Pappe, Glas und Metall. Die genauen Definitionen und Ausnahmen (z.B. für bestimmte Arten von Lebensmittelverpackungen oder medizinische Geräte) sind im jeweiligen Landesgesetz festgelegt.

Was bedeutet "Öko-Modulation"?

Öko-Modulation (Eco-Modulation) ist ein Mechanismus, bei dem die Gebühren, die Produzenten an die PRO zahlen, basierend auf der Umweltfreundlichkeit ihrer Verpackungen angepasst werden. Verpackungen, die leicht recycelbar sind, einen hohen Rezyklatanteil (PCR) aufweisen oder wiederverwendbar sind, erhalten niedrigere Gebühren (Boni). Schwer recycelbare oder problematische Verpackungen (z.B. solche mit Prop 65-Chemikalien in Kalifornien) werden mit höheren Gebühren (Malus) belegt.

Muss ich mich in jedem Staat einzeln registrieren?

Ja. Obwohl die Circular Action Alliance (CAA) in mehreren Staaten als PRO fungiert, müssen Sie die Compliance-Anforderungen (Registrierung, Mengenmeldung) für jeden Staat, in dem Sie die Schwellenwerte überschreiten, separat erfüllen.

Was passiert, wenn ich die Fristen verpasse?

Wie im Abschnitt “Konsequenzen bei Nichteinhaltung” dargelegt, drohen erhebliche tägliche Strafen, die in Kalifornien bis zu $50.000 pro Tag betragen können. Darüber hinaus riskieren Sie Verkaufsverbote und Reputationsschäden.

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